Kein Editorial (zur Ausgabe 2)
Nein trendy ist sie
nicht, die hier vorliegende zweite Ausgabe der kleinen Zeitschrift KunstconText.
Sie ist nicht bunt aber farbig, sie ist nicht dick
aber voller Inhalt. Kurz: sie entspricht überhaupt nicht dem
Zeitgeist, der äußere Erscheinungsformen über
Inhalte setzt; einem Zeitgeist, in dem kurzlebige Eintagsmotten
schneller an den grellen Scheinwerfern der Medien verglühen,
als windige Trend-Scouts sie aus der Masse hervorzerren können.
Fließende Eigenentwicklung und das Entstehen von Kunst (im
Sinne von Künstlerischem) bleiben auf der Strecke.
Wir haben so wenig Zeit, wir müssen
sehr langsam vorgehen ist eine Erkenntnis von Victor Bonato
aus der vorigen Ausgabe. Bonato bremst inhaltslose Gedankensprünge
und lenkt damit den Blick des Betrachters auf das Wesentliche: den
Inhalt, den Gehalt einer Idee oder eines Gedankens. Künstlerisches
Slow Food quasi.
Kunst und Kultur sollen sich ohne
Umwege direkt und unmittelbar vom Künstler zum Betrachter oder
Zuschauer vermitteln. Interviews und Berichte sind in der Regel
durch die Sichtweisen des Schreibers oder des Fragers beeinflusst,
bestenfalls geschönt, meistens jedoch verfälscht. Die
Quelle einer künstlerischen Idee, der Ursprung einer Arbeit
oder eines Lebenswerks bleiben oft im Geflecht journalistischer
Direktiven und redaktioneller Strukturen hängen und kommen nur
selten in der Wahrnehmung des Rezipienten an.
Aus diesen Gedanken entwickelte sich
das Anliegen der Herausgeberin Renate Ottersbach und ihres künstlerischen
Beirats Herbert Döring-Spengler: Den Künstler wie
bei einer Atelierbesichtigung sprechen lassen und den Text dem
Kunstinteressierten ungefiltert, unplugged und ohne
weitere Bearbeitung zur Verfügung stellen. Sie, die Macher,
werden damit dem Titel und der selbst gesetzten Aufgabe gerecht:
Kunst mit Text, durch Text direkt und ohne Einflussnahme zu
vermitteln. Autoren sind die Künstler selbst und auch dieser
Text wurde extern beigesteuert und ist nur eine Außenbetrachtung.
Das alles ist vielleicht nicht zeitgemäß,
nicht trendy noch nicht!
Freundliche Grüße
Klaus Schönenberg |